Hintergrund Session II
Möglichkeiten, gegen den Klimawandel vorzugehen
Vom „Business as usual” zur Schaffung eines neuen globalen Energieversorgungssystems
Die Veröffentlichung des Berichts „Climate Change 2007“ des Intergovernmental Panel on Climate Change im Februar hat die internationale Staatengemeinschaft alarmiert. Auf die Erkenntnis, dass der Klimawandel in der Vergangenheit unterschätzt wurde, folgten unterschiedliche Initiativen den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Auf der anderen Seite zeigen neue Berechnungen für das 21. Jahrhundert, dass die Nachfrage nach Energie beträchtlich wachsen wird – besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ausstoßeinsparungen durch verbesserte Energieeffizienz und das Wechseln zu weniger Kohlenstoff-intensiven Brennstoffen werden durch die erhöhte Nachfrage kompensiert. Der Gesamtausstoß wird erwartungsgemäß zunehmen und die globale Erwärmung beschleunigen.
Damit das Klimasystem nicht in gefährlichem Maß beeinflusst wird, müssen die globalen Emissionen in den kommenden Jahrzehnten beträchtlich verringert werden. Das erfordert grenzenübergreifende Maßnahmen, einschließlich verstärkter Klimaschutz-Bestimmungen in den industrialisierten Ländern und der Beteiligung von Entwicklungsländern. Die Energieeffizienz zu verbessern ist eine der notwendigen Maßnahmen. Sie reicht allein aber nicht aus. Die Möglichkeiten, den Ausstoß durch den Einsatz weniger Kohlenstoff-intensiver Brennstoffe zu verringern, d.h. Kohle durch Öl und später Öl durch Erdgas zu ersetzen, sind begrenzt. Sie werden zudem bereits im „Business as usual”-Szenario berücksichtigt.
Aber es gibt weitere Möglichkeiten: Das Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Energieträger aufzufangen und unterirdisch oder in der Tiefsee zu speichern bedeutet höhere Kosten für die Nutzer. Die Technik kann aber zumindest vorübergehend Emissionen einsparen. Den Ausstoß auch anderer Treibhausgase als Kohlendioxid (CO2) zu verringern, kann dazu beitragen, die Klimaschutzziele zu deutlich geringeren Kosten zu erreichen, als es allein mit CO2-Einsparungen möglich wäre. Maßnahmen im Zusammenhang mit der Land-Nutzung, etwa die Entwaldung zu bremsen und aufzuforsten, sind ebenfalls kostengünstig und könnten bis zu 40 Prozent der Gesamteinsparungen ausmachen.
Zudem gibt es Kohlenstoff-freie oder Kohlenstoff-arme Technologien, Energie für den Verbrauch umzuwandeln. Sie reichen aus, um auch den höchsten berechneten Energiebedarf im Jahr 2100 abzudecken. Allein mit Windkraft könnte theoretisch der Welt-Energiebedarf des Jahres 2005 gedeckt werden. Sonne und Erdwärme haben nach Schätzungen sogar noch höhere Potentiale. Innovative Konzepte liegen vor, um die Nachteile wie etwa die nicht ständige Verfügbarkeit von Sonnen- und Windenergie auszugleichen. Erneuerbare Energieträger könnten die fossilen Brennstoffe vollständig ersetzen. Doch es bedarf weiterer Forschung, um ein integriertes Energieversorgungssystem einrichten zu können, das auch kostengünstig ist.
Die hier genannten Maßnahmen ergeben zusammen ein völlig neues Energieversorgungssystem, dessen Aufbau Jahrzehnte erfordert. Das bedeutet, dass die Emissions-Einsparungen sofort beginnen müssen und sich nach und nach die gesamte Welt einbringen muss. Fernziel ist die Kohlenstoff-freie Weltgesellschaft.
Die Kosten würden weniger als ein Prozent des Weltbruttosozialprodukts betragen, wenn man einen vernünftigen Preis für die Emissionshandels-Zertifikate zu Grunde legt. Ohne diesen Preis gäbe es keine Anreize für Unternehmen in Kohlenstoff-arme Technologien zu investieren. Die nächste Herausforderung besteht also darin, einen weltweiten Markt für den Handel mit Emissionszertifikaten aufzubauen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein Handelssystem vorgeschlagen, das die für das Zwei-Grad-Celsius-Ziel notwendigen Einsparungen ermöglichen würde und bei dem jeder Bürger mit den gleichen Emissionsrechten ausgestattet würde. Dieser Vorschlag geht bereits vom globalen Emissionshandel aus, ohne den die Kosten für die Industrieländer nicht tragbar wären. Darüber hinaus haben bereits Verhandlungen darüber begonnen, den europäischen Emissionshandel mit den in den USA entstehenden Handelssystemen zu verbinden. Der internationale Emissionshandel und die damit in Verbindung stehenden Anpassungsmechanismen sind Hauptbestandteile jedes Klimaschutzabkommens für die Zeit nach dem Jahr 2012.

